Definitionen – Eltern-Kind-Gruppen

Eltern-Kind-Gruppe

Eltern-Kind-Gruppen schliessen mit ihren Begegnungs- und Austauschangeboten sowie durch die Vernetzung der Angebote der Frühen Kindheit im Sozialraum eine Lücke zwischen den kostenlosen Angeboten der Mütter- und 
Väterberatung und dem Eintritt der Kinder in den Kindergarten und die Schule.

Eltern-Kind-Gruppen tragen zu einer gesunden Entwicklung der Kinder und zur Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz bei.

 

  • Kinder erhalten eine anregende Spielumgebung und Kontakte mit  Gleichaltrigen.
  • Die begleitenden Erwachsenen vernetzen sich, tauschen sich aus und werden in ihrer Erziehungskompetenz gestärkt. 
  • Die Bildungschancen von Kindern aus belasteten Familien können verbessert werden, indem die Familien durch vertraute Personen in der Muttersprache aktiv angesprochen und mehrmals zu den niederschwelligen Treffen und anschliessend beim Übergang von der Eltern-Kind-Gruppe in die Kita resp. Spielgruppen begleitet werden.

Familienzentren und der Mütter- und Väterberatung kommt eine wichtige, koordinierende und motivierende Rolle zu, auch wenn es darum geht, individuelle Begleit- und Beratungsangebote zu finden.

Merkmale niederschwelliger Angebote

  • Angebote finden an Orten statt, die Eltern bereits aufsuchen
  • Fachpersonen orientieren sich an der Lebenswelt der Eltern und haben ihr Vertrauen
  • Verwendung einer einfachen Sprache, Bildsprache, Gegenstände, Symbole
  • lose, unverbindliche Treffen
  • Angebote mit hohem Kommunikations- und Freizeitwert, erlebnisreich
  • flexibel, kreativ
  • lockere Atmosphäre
  • Angebot von kleinen Speisen und Getränken, kostenlos oder günstig.
  • Mitbestimmung der Inhalte und Ausrichtung der Treffen

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Tipps zur Unterstützung gelingender Angebote 


1 Einleitung

Die Geburt eines Babys verändert den Alltag grundlegend. Ein Kind auf seinem Weg zu begleiten und zu unterstützen, ist eine schöne, aber auch anspruchsvolle Aufgabe. Für viele Eltern verläuft die Startphase nicht einfach so, wie sie es sich ausgemalt haben. Schlafmangel, ein Baby, das oft weint, die Isolation in der Kleinfamilie oder die Trotzphase zehren an den Kräften. Eltern wollen es gut machen. Doch oft sind sie verunsichert, was förderlich oder hinderlich ist.

Die ersten Lebensjahre sind für die gesunde Entwicklung eines Kindes entscheidend. In dieser Zeit werden Verhaltensweisen und Werthaltung aufgrund von Eindrücken aus dem Umfeld und der Erziehung geprägt. Eine liebevolle, anregende Umgebung fördert das Selbstwertgefühl und die Erforschungslust.

Frühe Förderung richtet sich nie isoliert an das Kind, sondern bezieht die Bezugspersonen mit ein. Elternzusammenarbeit und Elternbeteiligung beinhalten den informellen Austausch auf Augenhöhe, im Dialog mit Blick auf Ressourcen und Stärken, wie auch eine lösungsorientierte Beratung und Begleitung bei Bedarf.

Eltern in besonderen Lebenslagen, vulnerable und einkommensschwache Familien besuchen Angebote im Vorschulbereich weniger. Sei es, dass sie weniger vertraut sind mit den Inhalten und dem Nutzen der Angebote oder sich die Teilnahme aus Kostengründen nicht leisten können. Die Kinder haben so weniger Zugang zu entwicklungsfördernden Angeboten.

Schlüsselpersonen, die in bestehenden, informellen Netzwerken tätig sind und ähnliche soziokulturelle Erfahrungen wie die Familien zeigen, können Mütter und Väter über direkte Ansprache für die Teilnahme an niederschwelligen Angeboten gewinnen. Eine gelebte Willkommenskultur baut Vertrauen auf.

Eltern-Kind-Gruppen ermöglichen den Austausch und den Kontakt unter den Eltern, geben Impulse für den Erziehungs- und Familienalltag und leben vor, wie Kinder gefördert und in ihrer Entwicklung unterstützt werden können.

Neben der Unterstützung der Elternkompetenzen ist die Förderung der Einbindung in private und institutionelle Unterstützungsangebote von Bedeutung, da diese Entlastung und Hilfestellungen bieten können durch konkrete praktische Hilfe, gegenseitige Informationen und Beratung, Geselligkeit oder auch kognitive und emotionale Hilfe.

Gezielte Elterninformationen zu den Angeboten, Sensibilisierung für die Inhalte der Frühen Förderung, Unterstützung für die soziale Integration und das Angebot von Austauschmöglichkeiten zwischen Familien mit ähnlichen Lebenssituationen bringen einen Mehrwert für alle.

Viele Eltern-Kind-Gruppen entstehen aus privater Initiative. Um sie jedoch als Teil des Unterstützungsangebots für junge Familien zu etablieren, lohnt es sich, sie ins offizielle Angebot der Familienhilfe einzugliedern – z. B. mit einem Leistungsauftrag. So können Vernetzung, professionelle Unterstützung und Qualitätssicherung gewährleistet werden.

Diese Tipps richten sich an Städte, Gemeinden, Familienzentren und andere Trägerschaften, die die Stärkung der Elternkompetenzen und die chancengerechte Unterstützung der Kinder von Geburt an zum Ziel haben. Die Inhalte unterstützen Fachpersonen in der Planung, Umsetzung und Weiterentwicklung von niederschwelligen Angeboten im Frühbereich.

Das Dokument integriert:

  • Wissenschaftliche Erkenntnisse und Praxiserfahrungen, die die Qualität und die Wirkung von Eltern-Kind-Gruppen unterstützen
  • Praktische Erfahrungen bei der Konzeption und der Umsetzung der im Rahmen von conTAKT-kind.ch lancierten Angebote «Elterntreff Erziehung»
  • Hinweise auf umfassende, kostenlose Materialien von conTAKT-kind.ch, einer vom Migros-Kulturprozent unterstützten Online-Plattform
  • hier finden Sie das Erklärvideo
  • «parentu – die App für informierte Eltern, die die Kommunikation mit Eltern zu Erziehungs-, Bildungs- und Gesundheitsthemen in 13 Sprachen fördert

2 Grundlagen

Eltern-Kind-Gruppen richten sich immer an Vorschulkinder wie auch an Eltern. Je nach Zielsetzung unterscheiden sie sich in ihrer thematischen Ausrichtung, der Orientierung an spezifischen Zielgruppen, den Settings usw.
Im Folgenden finden Sie Grundlagen, die die niederschwelligen Angebote beschreiben und mögliche Ziele auflisten. 

2.1 Definitionen

Eltern-Kind-Gruppen schliessen mit ihren Begegnungs- und Austauschangeboten sowie durch die Vernetzung der Angebote der Frühen Kindheit im Sozialraum eine Lücke zwischen der Mütter- und Väterberatung und dem Eintritt der Kinder in den Kindergarten und die Schule.

Eltern-Kind-Gruppen tragen zu einer gesunden Entwicklung der Kinder und zur Stärkung der Elternkompetenz bei. Kinder erleben eine anregende Spielumgebung und Kontakte mit Gleichaltrigen.

Die begleitenden Erwachsenen vernetzen sich, tauschen sich aus, fassen Vertrauen und sind eher in der Lage, belastete Lebenssituationen zu meistern oder sich aktiv Beratung und Hilfe zu holen.

Die Bildungschancen von Kindern aus belasteten Familien können verbessert werden, indem die Familien durch vertraute Personen in der Muttersprache aktiv angesprochen und mehrmals zu den niederschwelligen Treffen und anschliessend beim Übergang von der Eltern-Kind-Gruppe in die Kita, die Spielgruppe oder in den Kindergarten begleitet werden.

Elternbildung CH, 2016​​​​​​
2.2 Gelingensfaktoren-Elternzusammenarbeit

Die schweizerische Gesundheitsstiftung Radix hat mittels einer Grundlagenrecherche2 und eines nationalen Stakeholder-Workshops mit Fachexpertinnen und Fachexperten sechs Gelingensfaktoren für gute Elternzusammenarbeit definiert:

  • Berücksichtigung der Interessen der Eltern
  • Partizipation
  • Dialogische Haltung
  • Ressourcenorientierung
  • Blick auf Heterogenität
  • Kontinuierliche Selbstreflexion
2.3 Formen-Eltern-Kind-Gruppen
  • Eltern-Kind-Gruppen ohne fachliche Leitung: z. B. Krabbelgruppen, die oft von Müttern organisiert werden
  • fachlich begleitete Eltern-Kind-Gruppen: z. B. Krabbelgruppen in einem Familienzentrum
    Die Gruppenverantwortlichen treffen sich periodisch mit einer Fachperson und können sie bei Bedarf einbeziehen.
  • Eltern-Kind-Treff mit fachlicher Leitung: Die Fachperson ist im Raum anwesend, gibt Anregungen und geht auf die Anliegen der Kinder und Eltern ein.
  • Eltern-Kind-Gruppen mit fachlicher Leitung und pädagogischem Konzept: z. B. PEKiP®, Eltern-Kind-Singen, Muki/Vaki-Turnen
  • Geschlossene Gruppen: Die Teilnahme ist nur nach Anmeldung möglich und wenn freie Plätze vorhanden sind.
  • Selektive respektive spezifische Angebote richten sich an eine definierte Elternschaft, z. B. Alleinerziehende, Eltern von Kindern mit besonderen Bedürfnissen, Sprachgruppen, Familien im Asylverfahren, neu aus dem Ausland zugezogene Familien.
  • Angebote können einmal oder mehrmalig, zeitlich begrenzt und regelmässig wiederkehrend stattfinden.
  • Sie können ein Thema im Fokus haben, z. B. Übergang in den Kindergarten, Sprach-Cafés zur Wortschatzerweiterung, Erziehungsthemen, Werte in der Schweiz, Familienwaldtage, Bewegungsförderung, kreatives Gestalten.​​​​​​

 

Typen von Eltern-Kind-Gruppen

2.4 Ziele Möglichkeiten Eltern-Kind-Gruppenarbeit

Ein spezifisches Merkmal der Eltern-Kind-Arbeit ist die gleichzeitige Anwesenheit zweier Adressatengruppen, der Erwachsenen und der Kinder im Alter von 0 bis 5 Jahren. Die gleichwertige Beachtung der unterschiedlichen Bedürfnisse beider Gruppen erfordert eine differenzierte Wahrnehmung und deren praktische Umsetzung in der Bildungsarbeit.

 

Ziele in Bezug auf die Erwachsenen

  • Kontakte knüpfen und Freude erleben mit anderen Kindern und Erwachsenen
  • Probleme thematisieren
  • Durch Erfahrungs- und Informationsaustausch verschiedene Handlungsmöglichkeiten kennenlernen
  • Durch Erwerb realistischer Einsichten in das altersentsprechende Verhalten des Kindes Handlungsmöglichkeiten entwickeln und in der Gruppe zulassen können
  • Befähigung, das Kind als Individuum anzunehmen und erste Loslösungsprozesse zuzulassen
  • Die Gruppe als vertrauten Ort erleben, wo sich alle verstanden und begleitet fühlen
  • Erwartungen, Wünsche und Gefühle erkennen, äussern und umsetzen lernen
  • Erziehungsverhalten reflektieren, Erziehungskompetenzen stärken, Eigeninitiative entdecken und aufbauen
  • Partnerschaftliches Verhalten untereinander einüben
  • Praktische Anregungen für die Gestaltung der Beziehung zum Kind und für die Beschäftigung mit dem Kind erwerben
  • Informationen und Diskussionsraum über pädagogische, psychologische, gesellschaftliche und politische Zusammenhänge mit Blick auf die Familie ermöglichen
  • Zugang zu einem sozialen Netz, gesundheitsfördernden und präventiven sowie Bildung- und Beratungsangeboten finden
  • Sich mit anderen Eltern in der Umgebung vernetzen können und so eventuell auch Entlastungsmöglichkeiten finden
  • Aufbau von Beziehungen zu Fachpersonen, die im Bedarfsfall einzeln kontaktiert werden können

 

Ziele in Bezug auf die Kinder

  • Kleinkinder in ihrer ganzheitlichen Entwicklung durch mannigfaltige Spielsituationen und Angebote zu den unterschiedlichsten Entwicklungsbereichen anregen, begleiten und unterstützen
  • Möglichkeiten der Kontaktaufnahme und Auseinandersetzung der Kinder untereinander innerhalb und ausserhalb der Gruppensituation ermöglichen
  • Lernen, sich in eine Gruppe einzufügen, zu teilen und Konflikte fair zu lösen
  • Kontaktaufnahme der Kinder zu anderen Erwachsenen ermöglichen
  • Raum schaffen für Begegnungen mit der deutschen Sprache und landesüblichen Ritualen
  • Aufbau und Unterstützung einer durchgehenden Bildungskette
  • Zugang zu spezifischen Förderangeboten ermöglichen
2.5 Familienzentren

Neben selbstbezogenen, kindbezogenen und handlungsbezogenen Elternkompetenzen weist der Wissenschaftliche Beirat für Familienfragen auf die Bedeutung von kontextbezogenen Kompetenzen hin.

Es geht unter anderem darum, dass Eltern

  • gemeinsam mit Kindern Situationen aufsuchen oder gestalten, die entwicklungsförderlich sind
  • Beziehungs- und Erziehungspartnerschaften gründen, die mit den eigenen Vorstellungen kompatibel sind

Für die Durchführung von Eltern-Kind-Gruppen bieten sich gut zugängliche, kindergerechte Begegnungsorte im öffentlichen Raum an. Familienzentren und ähnliche Begegnungsorte bieten die nötige Infrastruktur. Sie sind zentrale Angebote im Bereich der Frühen Kindheit. Je nach Setting sprechen die Angebote auch Eltern mit älteren Kindern an.

Das Netzwerk Bildung und Familie führte 2017 eine Befragung bei 121 Familienzentren in der Deutschschweiz durch.6 59 Familienzentren haben sich an der Befragung beteiligt. Sie geben an, dass die Mütter- und Väterberatung bei zwei Dritteln der Familienzentren als regelmässiges Angebot integriert ist. Regelmässig stattfindende Angebote sind zudem Spielgruppen (56 Prozent), geleitete kreative Erlebnisaktivitäten (51 Prozent) sowie Mütter-/Väter-Kind-Aktivitäten (51 Prozent). In je einem Drittel der Familienzentren finden weitere Bildungsangebote für Kinder und Eltern statt, wie von Eltern oder professionell geleitete Krabbelgruppen (36 resp. 32 Prozent), Eltern-Kind-Gruppen mit professioneller Leitung (32 Prozent) und Sprachförderangebote (31 Prozent).

Familienzentren sind Orte, wo sich Eltern und Kinder gerne aufhalten. Sie sind niederschwellig, bieten Informationen, Feste, Veranstaltungen, Beratung und Raum, sich zu treffen. Dank ihres Netzwerks in der Gemeinde oder im Quartier können Familien mit zusätzlichem Informations-, Beratungs- und Begleitbedarf an die passende Fachperson oder Fachstelle vermittelt werden.


3 Gelingensfaktoren

Eltern-Kind-Gruppen sind mehr als «Mütter-Café-Kränzchen» oder «Papa-Plausch». Sie können einen wichtigen Unterstützungsbeitrag in den ersten Jahren einer jungen Familie leisten. Damit sie ihre Ziele erreichen können, müssen interne wie externe Faktoren beachtet werden.

3.1 Teil der Strategie der Frühen Kindheit in der Gemeinde/Region

Eine auf einer Strategie der Frühen Kindheit der Gemeinde basierende Planung des Angebots, mit Beteiligung aller Akteurinnen und Akteure und gesicherter Finanzierung stellen zentrale Gelingensfaktoren dar.

Familienzentren und ähnliche Angebote profitieren davon, wenn sie die Unterstützung der Elternkompetenzen und der Erreichbarkeit von vulnerablen Familien in ihren Zielen definiert haben. Eine interdisziplinär zusammengesetzte Projektgruppe sorgt für eine breite Abstützung des Angebots in der Gemeinde und dadurch für mehr Akzeptanz bei den Familien.

3.2 Bedarfsgerechtes Angebot

Durch das Gespräch mit Eltern von Kleinkindern und die Vernetzung mit Fachpersonen – wie Mütter-Väter-Beraterinnen, Kinderärzt/innen – kann das Angebot auf die Bedürfnisse und den Bedarf ausgerichtet werden.

In der Kleinkindphase sind die Entwicklungsschritte nahe beieinander, und die Fragen zu den neuen Herausforderungen stehen unmittelbar an. Eltern-Kind-Gruppen, die nur einmal pro Quartal stattfinden, können aber die unter 2.2 aufgeführten Ziele kaum erfüllen.

3.3 Willkommenskultur als Türöffner

Sich willkommen zu fühlen, ist der Türöffner für den Verlauf der Treffen und der Entscheidung der Teilnehmenden, wiederzukommen.

«Als Teilnehmende werde ich wahrgenommen, meine Anwesenheit wird geschätzt. Ich als Teilnehmende werde persönlich begrüsst, nach meinem Namen wird gefragt, es wird mir gezeigt, wo ich mein Kind, meinen Kinderwagen und meine Kleidung hingeben kann. Ich werde anderen anwesenden Teilnehmenden vorgestellt.»

Die Gestaltung des Raums spielt eine grosse Rolle. Es ist Aufgabe der Gastgeberin, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen: frische Luft, Blumen, Getränke, Anordnung der Sitzgelegenheiten und kleinkindgerechte Spielmöglichkeiten machen einen Raum sofort attraktiver.

3.4 Begegnungen ermöglichen – Austausch fördern – voneinander lernen

Die Eltern-Kind-Gruppen sollen Begegnungen unter den Teilnehmenden ermöglichen. Dank des Austauschs untereinander wird das Lernen voneinander gefördert. Eltern werden Teil eines sozialen Netzwerks, lernen von Erfahrungen anderer Eltern und erweitern so ihr erzieherisches Repertoire. Eine gute Gesprächsführung trägt dazu bei, dass alle Anwesenden aktiv am Gespräch teilnehmen. Dazu gibt es förderliche Methoden aus der Erwachsenenbildung, die während des Treffens zur Zielerreichung eingesetzt werden.

3.5 Inhalte orientieren sich am Alltag und an den Ressourcen der Eltern

Inhalte sind nahe an der Lebenssituation und am Alltag der Teilnehmenden. Die Stärken und Fähigkeiten der Eltern, ihr Wissen um die Geschichte der Familie, ihre Erfahrungen, ihre Netzwerke und ihr kultureller Hintergrund sind Basis des Austauschs.

Die Eltern lernen Unterstützungs- und Beratungsangebote kennen und werden bei Bedarf dorthin begleitet. Sie finden Zugang zu einem sozialen Netzwerk, in dem sie sich austauschen, sich aktiv beteiligen und eigene Ressourcen einbringen können.

Die Eltern erweitern ihr Wissen darüber, wie Kinder sich entwickeln, und können ihnen dadurch in der Familie und im Lebensraum ein entwicklungsförderndes Umfeld bieten.

3.6 Austausch im Dialog schafft Vertrauen

Der Dialog auf Augenhöhe zeichnet sich aus durch Wertschätzung, Empathie, Interesse am anderen, authentische Kommunikation und aktives Zuhören. Die andere Lebenswelt und verschiedene Ressourcen, die das Gegenüber mitbringt, werden respektiert. So kann Vertrauen zwischen Eltern und Fachpersonen entstehen.

Dialog ist nur möglich, wenn man sich versteht. Schlüsselpersonen, die die entsprechende Sprache sprechen oder mit der Kultur und ihren Bräuchen vertraut sind, können die Kommunikation unterstützen.

3.7 Niederschwelligkeit als Erfolgsfaktor

Die Niederschwelligkeit von Begegnungsorten für Familien ist ein aussagekräftiges Merkmal für eine integrierende, nachhaltige Sozialpolitik. Begegnungsorte sind für alle Familien, insbesondere jedoch für sozial belastete Familien, dann niederschwellig zugänglich, wenn sie regelmässige Öffnungszeiten haben, gut erreichbar sind, ohne Anmeldung genutzt werden können und nicht kosten- oder konsumationspflichtig sind.

3.8 Wo Eltern Informationen suchen und finden

Es gibt unzählige Elternratgeber, Websites, Broschüren, Online-Plattformen, Blogs und Chats, Newsletter, Elternbriefe, App und Adressverzeichnisse von Spielplätzen usw. Die Frage ist, für welche Gruppe von Eltern welche Informationen hilfreich sind.

Der Mütter- und Väterberatung kommt eine wichtige, koordinierende und motivierende Rolle zu, bei der es darum geht, individuelle Begleit- und Beratungsangebote zu finden. Eltern-Kind-Gruppen unterstützen Eltern bei der Suche nach hilfreichen Informationen und Angeboten. Sie zeigen, wie sie mit den Herausforderungen der Technik umgehen können.

Über die App parentu – die App für informierte Eltern, können Anbieter Eltern auf lokale Angebote hinweisen.

3.9 Integration hat mit Vernetzung zu tun

Je mehr Fachpersonen voneinander wissen, je besser sie die lokalen und regionalen Angebote kennen, umso eher können sie Eltern beraten.

Regelmässige Vernetzungsanlässe für Fachpersonen stärken die lokalen Netzwerke und damit die Chance, dass alle Kinder und ihre Eltern von guten Angeboten der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung profitieren und so auch der Übergang in die Schule unterstützt werden kann.

Familienzentren ermöglichen den Familien einen niederschwelligen Zugang zu Informations-, Bildungs-, Beratungs- und Betreuungsangeboten. Gut vernetzte Fachpersonen sorgen dafür, dass Familien frühzeitig erreicht und bei Bedarf an passende Stellen verwiesen resektive begleitet werden.


4 Herausforderungen

Eltern sein ist herausfordernd. Besonders wünschenswert wäre der Besuch der Eltern-Kind-Angebote mit professioneller Leitung für ängstliche und verunsicherte Eltern, sehr junge Mütter, alleinerziehende Mütter und Väter oder psychisch belastete Eltern sowie Eltern in besonderen Lebenslagen. Neben der Unterstützung der Elternkompetenzen ist die Förderung der Einbindung in private und institutionelle Unterstützungsangebote von Bedeutung, da diese Entlastung und Hilfestellungen leisten können durch konkrete praktische Hilfe, gegenseitige Informationen und Beratung, Geselligkeit oder auch kognitive und emotionale Hilfe. Kinder brauchen Kontakte zu Gleichaltrigen, damit sie sich gut entwickeln können. Diverse Studien befassen sich mit der Frage, weshalb Migrant/innen die Angebote der Frühen Kindheit weniger nutzen. Entgegen der weitverbreiteten Meinung, Eltern seien nicht interessiert, zeigen diese Studien, dass das Gegenteil der Fall ist. Eltern sind interessiert, meist bemüht, oftmals auch besorgt. Sie wollen das Beste für ihr Kind, haben aber keine oder für sie nicht verständliche Informationen zu den Angeboten. 

4.1 Gründe, warum Eltern nicht an Aktivitäten teilnehmen
  • Schichtzugehörigkeit – geringes Einkommen, niedriges Bildungsniveau
  • (Zu hohe) Teilnahmebeiträge
  • Zu hoher bürokratischer Aufwand
  • Klassische Komm-Struktur versus Geh-Struktur (aufsuchende Angebote eigen sich besser für die Vertrauensbildung von belasteten Familien)
  • Unpersönlicher, förmlicher Kommunikationsstil bei den Mitarbeitenden
  • Problemorientierte Ansätze und Befürchtungen von Stigmatisierung
  • Unkenntnis bezüglich des (Weiter-)Bildungssystems
  • Häufige Erfahrung, auf Unverständnis zu stossen
  • Fehlende Traditionen in der Herkunftskultur: Beratungs- und Weiterbildungsangebote sind unüblich
  • Schlechte Erfahrung mit schulischer Bildung
  • Angst vor «staatlicher», «öffentlicher» Kontrolle
  • Fehlende muttersprachliche Kontakt- und Vertrauensperson
  • Sprachbarrieren
  • Angst und Scham, sich zu zeigen, Unsicherheit bezüglich der sprachlichen Fähigkeiten, Zurückhaltung
  • Angst, die eigene Kultur zu verlieren
4.2 Umgang mit Heterogenität

Erfolgreiche Konzepte berücksichtigen die Bedürfnisse der Teilnehmenden mehr als diejenigen der Anbietenden. Angebote werden gemeinsam mit den Nutzenden entwickelt und immer wieder angepasst.

Idealerweise sind die Gruppen durchmischt, dabei sollte keine Gruppe zu dominant vertreten sein.

Es kann aber auch sinnvoll sein, sprach- oder kulturspezifische Angebote zu machen. Der Erfolg der Femmes-/Männer-Tische für Migrant/innen zeigt dies deutlich.

4.3 Eltern-Kind-Gruppen basieren auf den lokal geltenden Werten

Die Arbeit mit Menschen ist immer geprägt von der eigenen Kultur und von Werten. Dies bedeutet für Fachpersonen,

  • sich der eigenen Kultur, der Werte, Denk- und Verhaltensweisen bewusst zu werden
  • Interesse an der Werthaltung des anderen zu haben
  • die Herausforderung, neue Lösungsansätze zu suchen und Brücken zu bauen
  • Verständnis und Toleranz für andere Lebenswelten aufzubringen
  • Sprache, Tempo und teilweise auch Anforderungen anzupassen.

Eltern, denen es gelingt, bei ihren Kindern einerseits Wertschätzung der Herkunftskultur zu erhalten und sie gleichzeitig zu ermutigen, der Aufnahmegesellschaft offen gegenüberzustehen, geben ihren Kindern die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration mit. Die Teilnehmenden sollen die geltenden Werte und Angebote vor Ort kennen: Stichwort gewaltfreie Erziehung. Sie entscheiden, welche Werte in der Familie gelten sollen. Zudem sind sie sich bewusst, dass sich ihre Kinder nur auf die neue Situation und das Lernen einlassen können, wenn sie als Eltern die neuen Erfahrungen zulassen.


5 Empfehlungen für Kantone, Gemeinden und Trägerschaften

Die folgenden Empfehlungen richten sich an Kantone, Gemeinden und Trägerschaften, die Begegnungs-, Bildungs- und Austauschorte für Familien mit Kindern von Geburt an unterstützen wollen und sich insbesondere an Familien richten, die ihre Kinder in belasteten Lebensumständen in ihrer Entwicklung begleiten.

Es empfiehlt sich, bestehende Angebote an die Bedürfnisse der Zielgruppen anzupassen, Angebote und Fachpersonen zu vernetzen, die Qualität zu sichern oder zu verbessern sowie eine längerfristige Finanzierung sicherzustellen. Die überarbeiteten Unterlagen aus dem Kanton Bern sind sehr hilfreich. Das Netzwerk Bildung und Familie unterstützt Gemeinden und Trägerschaften bei der Erarbeitung und Umsetzung von Wirkungsmodellen für Familienzentren und ihre Angebote.

5.1 Strategische Vorgaben schaffen Mehrwert

Konzepte für die Frühe Förderung und strategische Vorgaben des Kantons, der Gemeinde oder der Trägerschaft orientieren sich an Wirkungszielen und geben der Frühkindlichen Bildung sowie der Stärkung der Elternkompetenz mehr Gewicht und Anerkennung auf politischer und gesellschaftlicher Ebene. Damit verbunden entstehen bessere Rahmenbedingungen für Fachpersonen.

Strategische Vorgaben

  • stärken niederschwellige Angebote in der Frühen Kindheit, die belastete Familien erreichen, strukturell und finanziell
  • unterstützen die Erreichbarkeit der Familien
  • verhindern dank der Vernetzung unter den Fachpersonen Doppelspurigkeiten und fördern Synergien
  • fördern eine durchgehende Bildungsbiografie und bessere Bildungschancen für alle Kinder
  • ermöglich Eltern den Zugang zu sozialen Netzwerken und Beratungsangeboten
  • sichern kostengünstige Angebote und marktkonforme Entschädigungen für die Fachpersonen durch finanzielle Beteiligung, Subventionen und Leistungsvereinbarungen
  • ermöglichen Aus- und Weiterbildungen von Fachpersonen
  • zeigen Wertschätzung für die Arbeit von Freiwilligen und schlecht entlöhnten Mitarbeitenden
  • unterstützen die Qualität der Angebote durch eine wirkungsorientierte Planung, Umsetzung und Weiterentwicklung.
5.2 Qualitätsentwicklung

Der Aufbau oder die Weiterentwicklung von Eltern-Kind-Gruppen basiert auf theoretischen und praktischen Erfahrungen, einer wirkungsorientierten Planung, einer Situationsanalyse und einem definierten Umsetzungs-, Evaluations- und Weiterentwicklungsprozess. Empfehlungen für Kantone, Gemeinden und Trägerschaften


6 Praxis der Eltern-Kind-Gruppen

6.1 Rahmenbedingungen, erläutert am Angebot «Elterntreff Erziehung»

Das Angebot «Elterntreff Erziehung» wurde im Rahmen der Promotion von con- TAKT-kind.ch entwickelt. Das Konzept berücksichtigt die vorgängig erwähnten Erfolgskriterien. Die folgenden Hinweise sind als Vorschläge zu verstehen.

Das Konzept erlaubt den Gemeinden und Trägerschaften viel Spielraum in der Umsetzung. Konzept und Setting sollen an die Bedürfnisse der Zielgruppe, die lokalen Bedingungen, die Ressourcen und die Möglichkeiten der Fachpersonen berücksichtigen. Inhalte sollen mit den Beteiligten definiert werden.

Für die Entwicklung des gemeindeeigenen Konzepts, dessen Umsetzung und Evaluation steht ein Beratungsangebot zur Verfügung.

Mehr Informationen zu den «Elterntreff Erziehung».

6.2 Aufgaben der Beteiligten

Gemeinden, Trägerschaften sind verantwortlich

  • für Qualitätsvorgaben, Finanzierung, Räume sowie deren Ausgestaltung, Anstellungsbedingungen der Fachpersonen und der Freiwilligen
  • für Vernetzung unter den Fachbereichen zur Nutzung von Ressourcen und um Know-how zu fördern
  • für die Bekanntmachung des Angebots bei den Eltern, eventuell durch den Einsatz von Schlüsselpersonen.

 

Gastgeber/innen

Freiwillige mit Zugang zur Zielgruppe und Schlüsselpersonen schaffen über eine Willkommenskultur Vertrauen, richten Räume ein, gehen aktiv auf Familien zu und pflegen Kontakte zu den Zielgruppen.

 

Moderator/innen der Gesprächsrunden

Mütter- und Väterberaterinnen, Elternbildner/innen und andere Fachpersonen haben folgende Aufgaben:

  • Inhaltliche Verantwortung, Erstellen eines Konzepts, Aufbereitung der Themen, Moderation des Austauschs im Dialog, Einbezug aller Teilnehmenden. Bei Bedarf können Fachwissen und Begleitung/Beratung sowie Informationen zu weiteren Fachstellen angeboten werden.
  • Schaffen einer wertschätzenden Atmosphäre, die einen offene Austausch ermöglicht; Peer- und Modelllernen stehen im Zentrum.
  • Eltern- und Kommunikationskompetenz stärken.

 

Spiel- und Förderangebote für Kinder

Spielgruppenleiterinnen, Erzieher/innen, Spielanimator/innen, Kunstpädagog/innen usw. bieten eine anregende Spielumgebung für die Kinder und geben den Eltern Tipps zur Umsetzung in der Familie.

6.3 Räumliche Ausstattung

Eltern-Kind-Gruppen stehen ein bis zwei helle, freundliche Räume zur Verfügung. Die Diskussionen der Erwachsenen und das Spiel der Kinder können in verschiedenen, nahe beieinander liegenden Räumen stattfinden.

  • Gemütliche Atmosphäre, Kaffeemaschine, Getränke, Infothek, einladende Sitzgelegenheiten, Flip-Chart
  • Freie Flächen für Aktivitäten mit den und für die Kinder
  • Einfache Spielmaterialien, Sprach- und Bewegungsangebote, Bastelmaterialien, die die Kreativität der Kinder unterstützen
  • Pflegeleichter Boden
  • Sichere Einrichtung
  • Eventuell Zugang zum Garten
  • Zugang zu sanitären Anlagen
6.4 Öffentlichkeitsarbeit für Eltern-Kind-Gruppen

Einladung und Informationen

  • im Gemeindeblatt
  • durch Aushänge in Einkaufszentren
  • durch Auflage von Flyern bei Ärzt/innen, Mütter- und Väterberatung, Hebammen, Beilage im Elternbrief der Pro Juventute, Gemeindebüro
  • auf der Website der Gemeinde, des Anbieters, des Familienzentrums
  • durch Infomails an Familienvereine, Schlüsselpersonen, Spielgruppen, Kitas, Kindergärten, Kirchen usw.
  • durch direkte Ansprache der Eltern über Schlüsselpersonen in Siedlungen, auf Spielplätzen usw.
  • durch Werbung über parentu – die App für informierte Eltern, soziale Medien wie Facebook und Instagram
6.5 Setting
6.6 Kosten

Die Kosten pro Jahr für ein solches Setting mit monatlichen Treffen, Raummiete, Entschädigung der Moderator/innen und Kinderbetreuer/innen, Wertschätzung der Freiwilligenarbeit, der Verpflegung der Erwachsenen und der Kinder und Materialien liegen bei ca. CHF 7000.

Die Teilnahme ist für die Eltern kostenlos; eventuell Unkostenbeitrag für Getränke und Knabberei.

6.7 Varianten

Eltern und Kinder nutzen die Spielanregungen und Aktivitäten gemeinsam. Dadurch erleben die Eltern, wie die Kinder auf das Angebot reagieren, und werden dadurch angeregt, ähnlich Angebote in der Familie anzubieten.

Der Austausch unter den Eltern kann begleitend oder an einem separaten Anlass ohne Kinder stattfinden.

6.8 Eltern-Kind-Gruppen in der Praxis
  • Die Checkliste unterstützt Sie in der der wirkungsorientierten Planung Ihres Angebots.
  • Praxisbeispiele geben Anregungen zur Gestaltung des eigenen Angebots.

7 Literatur